Projekte

No Future?

Hier werden Mitglieder des Vereins einzelne Themen von Siegfried Pater aufgreifen. Siegfried Pater hat seine Themen stets über viele Jahr oder sogar Jahrzehnte jenseits von tagespolitischen Interessen oder medialen Strömungen begleitet.

Siegfried Pater hat seine Themen stets über viele Jahr oder sogar Jahrzehnte jenseits von tagespolitischen Interessen oder medialen Strömungen begleitet. Mit zahlreichen seiner Themen beschäftigen sich Medien, Politik und Gesellschaft heute intensiver denn je.

Grund genug für die Mitglieder des Siegfried Pater e.V. einzelne Themen aufzugreifen. Dargestellt wird, in welcher Weise sich Siegfried Pater dem jeweiligen Thema seinerzeit genähert hat und welche gesellschaftspolitischen Forderungen er einforderte.

Dem folgt die Darstellung des Themas in der Gegenwart: Wo stehen wir heute? Welche Veränderungen sind eingetreten? Sind Fortschritte zu verzeichnen? Waren (negative) Entwicklungen absehbar?

Im dritten Teil der Zukunft skizziert der Autor die zukünftige Entwicklung des Themas aus seiner Sicht, aber auch wie Siegfried Pater aktuelle Entwicklung bewerte und welche Forderungen er wiederum erhoben hätte.

Soja

Soja

"Immer mehr Familien fliehen vom Süden Brasiliens ins Amazonasgebiet. Soja-Flüchtlinge werden sie genannt, darunter auch geflüchtete Donauschwaben, sie hatten einst die Sojabohne nach Brasilien gebracht, die ihnen nun zum Fluch wird. Mit Soja könnte der Hunger in der Welt bekämpft werden.Seit Jahrtausenden bauen die Chinesen die nährstoffreiche Bohne in allen Klimazonen an.

Heute wird die Bohne weltweit angebaut, aber nicht als Nahrungsmittel, sondern als Viehfutter. Neben der USA beliefert auch Brasilien den Weltmarkt. Im industriellen Zeitalter ist aus Nahrungsmittel Futtermittel geworden. Das ernährt die Tiere und lässt Menschen hungern, da das Land nicht mehr für den Anbau von Grundnahrungsmitteln zur Verfügung steht. Ein Tier muss die zehnfache Menge pflanzlicher Proteine verzehren, wie es tierische selbst produziert."

Dieser Text ist nachzulesen im Buch "Zum Beispiel Soja" von Siegfried Pater und Boris Terpins aus dem Jahr 1993. Beide Autoren recherchierten in Brasilien zum Sojaanbau und den dramatischen Folgen für die Landbevölkerung. Dokumentiert in dem Film  "der Sojakomplex".

Die Situation hat sich in den letzten 30 Jahren im Grunde nicht verändert. Ganz im Gegenteil, der exzessive Sojaanbau und die Gewinne daraus sind enorm gestiegen. Die Monokultur verschlingt Unmengen an Pestiziden und Dünger, der Sojaanbau hat sich tief in den Urwald Amazoniens gefressen, mit allen bekannten Folgen für die Natur und das Weltklima.

Soja ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, wir finden es nicht nur in vegetarischen und veganen Lebensmitteln als Tofu und Fleischimitat, sondern in vielen Bestandteilen unseren täglichen Lebens .z.B. in Schädlingsbekämpfungsmittel, Dünger, Arzneimittel, Schokolade, Plastik, Kekse, Bier, Farbe, Kunstfaser um nur einige der etwa 150 Anwendungsbereiche zu nennen.

Doch nach wie vor findet die kleine Wunderbohne Verwendung als Tierfutter. Unsere Bauern halten quasi ihre Kühe auf der Betonplatte und verfüttern das Sojakraftfutter. Die EU subventioniert die Massentierhaltung, die riesigen Mengen an Futtermittel produzieren Fleischberge und Milchseen. Das wirtschaftliche Denken dominiert unsere Lebensbereiche und führt uns weiter in die Umweltzerstörung, Tierquälerei, Ungerechtigkeit und letztendlich auch in eine bedenkliche Ernährung die für den Menschen nicht förderlich ist.

Soja war ja nur eines der vielen Themen die Siegfried Pater damals vor 40 Jahren in Brasilien recherchierte und in Büchern, Vorträgen, Zeitungsartikeln und Filmen verarbeitete.

All das ist auch heute noch sehr aktuell. Allerdings standen damals die negativen Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft, die Mitverantwortung für das Weltklima, die Zerstörung der Natur und der Rückgang der Artenvielfalt nicht so im Mittelpunkt wie das heute in der Diskussion ist.

Das Bewusstsein hat sich schon im Laufe der Jahre verändert aber noch nicht unser handeln. 60 Milliarden Tiere werden jährlich geschlachtet. Was für einen Irrsinn.
Heute wünschen sich 43% der deutschen BevölkerungLebensmittel aus nachhaltiger Landwirtschaft.

Der Buchautor hätte das damals nicht für möglich gehalten, dass diese Entwicklung noch mehr zerstörerisches Potential entwickelt.Einen großen Anteil an der Fleischproduktion und Futtermittel aus Soja haben nach wie vor die Fastfoodketten.

Dazu hat Siegfried Pater viele Bücher veröffentlicht, das war mit ein Schwerpunkt seiner vielfältigen, kritischen publizistischen Arbeit.

Gaby Pater

Siegfried Pater und die Umweltfragen

Siegfried Pater und die Umweltfragen

Umweltfragen drängten sich Siegfried Pater bereits in seiner Zeit als Entwicklungshelfer auf, also schon Ende der sechziger Jahre. Denn in der Nähe von Maceio im trockenen Nordosten Brasiliens lief einiges gegen die Natur. Als Beispiel wäre der Anbau von Früchten für den Weltmarkt zu nennen, der nichts zu tun hatte mit den Feldfrüchten, von denen sich die Einheimischen ernährten. Oder: Ein riesiger See wurde aufgestaut, der die Bauern von ihren Feldern vertrieb. Empört kam SP nach Deutschland zurück und wechselte seinen Beruf; denn sein Lebensziel sollte von da an die Information unserer Bevölkerung werden.

Auch hier musste Pater nicht lange suchen, um Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen zu finden. Die Zerstörung der Umwelt in den Industrieländern wurde laufend auffälliger, so dass bereits mutige Journalisten, freie, und auch welche in den Rundfunkanstalten, zu Mahnern wurden. Mit denen verbündete er sich. Zu nennen wären hier Harald Pawlowski von Publik Forum, Al Imfeld, Erhard Meueler und Franz Alt.

Doch wo Siegfried Pater auch hinkam – er stieß auf massive Umweltprobleme, wie in Bangladesh, wo Wasser durch Arsenbelastung zu schwersten Krankheiten führt. Manchmal war ihm das Glück hold und er fand jemanden, mit dem er die missliche Situation mildern konnte: Ein Arzt baute Kohlefilter, die für ein halbes Jahr das Trinkwasser von Arsen befreite, und er, der Journalist, der schnell mit den Lebensformen der einheimischen Menschen vertraut war, übernahm die Bekanntmachung und das Einsammeln von Gelder, mit denen die erstaunlich preiswerten Filter gekauft werden konnten; und viele böse Schicksale wurden verhindert. Natürlich entstand, wie üblich, ein Buch über seine Erfahrungen.

Daheim im industriellen Teil der Welt wurde ihm schon sehr früh klar, dass wir mit dem Wachstums-Mantra und unserem Umgang mit Ressourcen die natürlichen Grundlagen überstrapazierten. Besonders wurde die Belastung deutlich am Beispiel der Atmosphäre. Und da war die Ursache im wesentlichen der Kohlenstoffausstoß durch die Energieträger Kohle, Öl, Gas.

Es gab aber jemanden, der genau an dieser Stelle ansetzte und für unsere Erde eine völlig gefahrlose Strategie vorschlug, nämlich die Sonne zur Energiegewinnung zu nutzen. Das war Hermann Scheer, MdB  der SPD. Die Idee der Sonnennutzung faszinierte SP dermaßen, dass er sich in Scheers Argumentationen einarbeitete und in den neunziger Jahren über diesen Mann ein Buch verfasste, „Hermann Scheer, Anwalt der Sonne“.

Für den Energiepolitiker ist die anhaltende Ignoranz gegenüber den riesigen Chancen der Sonnenenergie ein eklatantes politisches Versäumnis, das gemeingefährliche Ausmaße annahm. Deshalb setzt er dem atomar-fossilen Krieg gegen die Natur die vollständige Ablösung atomarer und fossiler Energien durch die unerschöpflichen erneuerbaren Energien entgegen. Die Realisierung dieses Konzeptes ist nicht ein technisches und auch nicht ein ökonomisches Problem, sondern ein gesamtgesellschaftliches und damit kulturelles. Es zeigt, dass die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien eine einzigartige zivilisatorische Chance der Menschheit ist.

Was Siegfried Pater sogleich einleuchtete: Die Regenerativ-Energien sind weltweit grenzenlos verfügbar, unschädlich für die Gesundheit und keiner automatischen Verteuerung unterworfen – eigentlich unschlagbar. Dennoch werden diese Argumente (verfügbar, sicher, bezahlbar) auch heute noch in mächtigen wirtschaftspolitischen Kreisen bewusst den konventionellen Energieträgern zugeschrieben. Unverständlich, aber wahr.

Das alles hat er in seinem Scheer-Buch klar und bestimmt dargelegt. Heute wissen wir, dass nur eine Explosion der erneuerbaren Energien den Planeten in seiner großartigen Natürlichkeit bewahren kann. Beide, Siegfried Pater und Hermann Scheer, hatten das zu ihren Lebzeiten längst gewusst.

Klaus Karpstein